Trauer

Komm, lass uns Beerdigung spielen

Kinder trauern anders - Sie brauchen Hilfestellung beim Umgang mit Verlusten.

24/11/2020
Zuletzt geändert am 25/11/2020
Beerdigung nachgespielt mit LEGO

Kinder trauern in Pfützen. Sie springen rein und wieder heraus. Das kann Erwachsene irritieren. Das Verständnis vom Tod hängt mit der geistigen Entwicklung zusammen.

Kinder unter 3 Jahren

können die Endgültigkeit des Todes noch nicht begreifen. Es gibt nur Dasein oder Nichtdasein. Sie kennen aber das Gefühl von Angst und Verlassen werden  und können nach einem Todesfall in der Familie Verlustängste entwickeln. Das kann sich in Einschlafstörungen zeigen. „Einschlafen“ oder „schlafen gehen“ sollten in Verbindung mit dem Tod vermieden werden. Körperliche Nähe und Routinen, die beibehalten werden, vermitteln den Kleinsten Sicherheit. 

Kinder zwischen 3 und 5 Jahren

sind neugierig und verstehen den Tod als vorübergehenden Zustand. Papa ist „ein bisschen Tod“. Heute ist er tot, morgen kommt er aber wieder. Dass es eine Zeit vor Ihnen gab, ist unvorstellbar. Der Tod betrifft nur alte Menschen.  Kinder erforschen den Tod durch Spielen. Durch Spielen kann den Kindern den Schrecken genommen werden. Über die Beerdigungs-Bausteinchen, die uns freundlicherweise vom Hospizdienst am Niederrhein des Malteser Hilfsdienst e.V. zur Verfügung gestellt wurden, können Kinder spielerisch zu ihren Vorstellungen vom Tod gefragt werden und die Beerdigung nachgespielt werden. Kerzen gestalten, Bücher vorlesen und Erinnerungen sammeln, können neben dem Spiel in dieser Altersspanne beim Verstehen und Verarbeiten helfen.

Ab 5 Jahren

wächst das Interesse am Thema Tod. Kinder ziehen allmählich die Verbindungen zwischen Traurigkeit und Tod, der Tod ist aber weiterhin umkehrbar. Zwischen 5 und 7 Jahren denken Kinder „magisch“. Es gibt Zauberer, Hexen, Monster etc. Ein realistischer und offener Umgang mit den eigenen Gefühlen vermeidet bei Kindern Horrorvorstellungen und beugt Wahrnehmungsstörungen bei den Gefühlen vor. Trauer gehört zum Leben.

Ab 7 Jahren

bekommen Kinder langsam eine realistische Einstellung vom Tod. Sie vermissen die Verstorbenen, entwickeln Sehnsucht und werden sich der Endgültigkeit bewusst. Rituale wie zum Beispiel Grüße mit einem Luftballon in den Himmel steigen lassen, können Kindern in diesem Alter ein schöner Trost sein.

Ab ca. 9- 14 Jahren

wird der Tod als biologischer Altersprozess, mit dem Ende der körperlichen Funktionen, verstanden. Sie übernehmen religiöse Vorstellungen der Erwachsenen. Die Seele bleibt erhalten, der Körper vergeht. Der Tod wird allmählich als unvermeidbar und unumkehrbar erkannt.

Jugendliche

leiden vor allem an Sprach- und Hilflosigkeit. Die Trauer ist ihnen oft peinlich. Sie zeigen sie oftmals nicht und suchen eine Möglichkeit sie doch auszudrücken. Aber Jugendliche trauern auch, wenn sie es nicht immer zeigen. Für Jugendliche gibt es Trauerchatrooms und Foren, sowie Trauergruppen, zum Austausch mit Gleichgesinnten. Es kann helfen der Trauer Ausdruck zu verleihen durch Erstellung eines digitalen Erinnerungsordner mit Musik, die an den Verstorbenen erinnert oder auch Fotos abgelegt werden können oder ein Erinnerungsbuch zu gestalten.

(Die Angebote über die Hilfsangebote werde ich separat auflisten, wer bis dahin gerne Adressen und Ansprechpartner benötigt, kann mich gerne anschreiben oder anrufen.)

Mit diesen Mechanismen wehren Kinder Trauer ab

Kinder reagieren verschieden auf den Verlust eines nahstehenden Menschen. Um diesen Schmerz der kleinen Seelen standhalten zu können,  haben sie Abwehrmechanismen entwickelt die sich zeigen können durch: 

  • Verleugnung
  • Schuldgefühle
  • Lernblockaden in der Schule und geistiges Abschalten
  • Psychosomatische Beschwerden durch Verdrängung, die sich in Bauchschmerzen äußern können
  • Nachahmung des Verhaltens des Verstorbenen.

Was trauernde Kinder brauchen

  • Stabilität und Kontinuität
  • Ehrliche Antworten
  • Trost
  • Rituale und Gemeinschaft
  • Für die Kinder da sein
  • Möglichkeiten der Kommunikation (Zuhören)
  • Erinnerungen wertfrei lassen
  • Trauerfreie Zonen
  • Gefühle auf die eigene Art und Weise ausleben lassen
  • Gemeinsam Antworten suchen, keine vorgegebenen Antworten
  • Den Abschied ermöglichen
  • Raum für Kreativität

Literaturtipps für Kinder und Jugendliche

Und was kommt dann? Das Kinderbuch vom Tod
Pernilla, Stafelt Moritz Verlag

Wieso, Weshalb, Warum?
Abschied, Tod und Trauer, Ravensburger

Und was kommt nach tausend?
Anette Bley, Ravensburger

Leb wohl, lieber Dachs
Susan Varley
Annette Betz

Abschied von Opa Elefant
Isabel Abedi und Miriam Cordes, Ellermann

Was mach ich nur mit meiner Trauer?
Emotionale Entwicklung für Kinder ab 5 Jahren
Dagmar Geisler, Loewe

Wie kommt der große Opa in die kleine Urne? Tim und Leila wollen es wissen
Helene Düperthal und Daniela Veit
Lebensweichen-Verlag

Die besten Beerdigungen der Welt
Ulf Nilsson und Erika Eriksson
Moritz- Verlag